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Infobrief

Zweck und Inhalt dieses regelmäßig erscheinenden Infosbriefes sind die Analyse der gegenwärtigen Zustände in Kirche und Gemeinden, Stellungnahmen, Meinungen, Zeugnisse und Berichte, Tips und Modelle. Ich freue mich über Rückmeldungen! Wer einen Gedanken hat, den er gern anderen mitteilen möchte, kann ihn gern an mich schicken. Wer eine wichtige Erfahrung macht, die für andere bedeutsam sein könnte, oder eine Erkenntnis, die andere voranbringt... bitte aufschreiben und mir zusenden!

Was geht ab?

Ich nehme einen ganz typischen Tag als ein Beispiel für die gegenwärtige Situation:

Freikirchliche Strukturen

Morgens erreicht mich ein Fax mit dem Bericht eines Pfarrers, der sich ganz sachlich darüber ausläßt, daß in seiner Gemeinde eine aktive Gruppe immer mehr an den Rand driftet und ein Eigenleben führt. Als diese Gruppe gegründet wurde, war ihr Anliegen, sich in der Gemeinde einzubringen - nun spielt die Kirchengemeinde keine Rolle mehr. Ihre "Nahrung" besorgen sie sich von außerhalb und das Ziel ihres Engagements ist der große überkonfessionelle Aufbau des Reiches Gottes. Wie der aussehen soll, bleibt verschwommen, nebulös. Im Augenblick kümmert sich die Gruppe eher um den Aufbau eigener Strukturen. So formiert sich klammheimlich und unauffällig eine Art Freikirche in der Landeskirche. Das landeskirchliche Nest wird selbstverständlich benützt, um den Boden für eigene Wege zu bereiten.

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Hohle Worte

In der Post finde ich den langen Bericht eines Leiters, der in schillernden Worten den Erfolg seiner Arbeit darstellt. Ich lese viele Worte, verstehe aber nicht, was damit gemeint ist. Ich habe den Eindruck, als wird etwas "aufgemotzt", was in Wirklichkeit kümmerlicher aussieht. Die Konkurrenz ist ja groß und man muß darstellen, wie wichtig man ist, um Unterstützer, Freunde - und vor allem Spender bei der Stange zu halten. Aber es entsteht auf diese Weise eine fromme Scheinwelt, es wird etwas vorgegaukelt von geistlichem Leben und Aufbruch, was so nicht stimmt. Aber dadurch wird die Kluft zwischen Wirklichkeit und Illusion nur noch größer, die Wahrheit bleibt auf der Strecke und entsprechend steigt die Frustration und eine unrealistische Hoffnung auf mehr.

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Fehlende Ermutigung

Am späten Vormittag bekomme ich einen Anruf von einem Ältesten, der mir die Situation in seiner (freikirchlichen) Gemeinde schildert. Ich bin beeindruckt, wieviel Verantwortung und Last dieser ehrenamtliche Mitarbeiter trägt. Sich selbst, seinen Beruf und seine Familie stellt er hintenan, um ganz für die Gemeinde da zu sein. Neben dem Pastor und zwei weiteren Ältesten leitet er die Gemeinde. Die nimmt ihr Engagement jedoch als selbstverständlich, die Gemeindeglieder fordern immer mehr, lehnen sich zurück und lassen die Leitung den Karren ziehen. Wenn es zu langsam vorangeht oder Fehler passieren, hagelt es sofort Kritik und wird die geistliche Berufung der Ältesten hinterfragt. Sie erhalten keine Ermutigung, wenig Unterstützung und zunehmend wird die Last ihres Amtes zu schwer. Wie können sie durchhalten - oder werden sie ihrem Auftrag untreu und geben sogar auf?

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Überforderte Leiter

Im E-Mail befindet sich der Hilferuf einer Kirchengemeinderätin. Sie ist total frustriert von der letzten Sitzung des Kirchengemeinderates, die völlig aus dem Ruder lief. Sie hatte sich voller Begeisterung für dieses Amt zur Verfügung gestellt und wird nun mit dem Kleinkram und dem Verwaltungsapparat einer landeskirchlichen Gemeinde konfrontiert. Was ihr aber vor allem Probleme macht, ist, daß der Pfarrer als Leiter des Gremiums alles laufen läßt. Ihm fehlt die Fähigkeit, eine Sitzung zu leiten, die Voten zu bündeln und Diskussionen zu einem Ergebnis zu führen. So bleiben die Sitzungen mühsam und erfolglos, man redet viel und erreicht wenitg. Die Sitzungen erweisen sich als ineffektiv und quälend. "Kann ich hier noch Kirchengemeinderätin bleiben, wenn das so läuft?" fragt sie sich. "Oder gibt es eine Möglichkeit für meinen Pfarrer, daß er eine Schulung in Gesprächsführung und Sitzungstechnik absolviert?" Aber will der das? Erkennt er seinen Mangel und bemüht er sich um Veränderung bei sich selbst? - frage ich mich.

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Kreisen um sich selbst

Am Abend habe ich ein Treffen mit einigen Mitarbeitern einer Gemeinde. Sie fragen nach Perspektiven und haben einen offenen Blick nach vorn: Wie kann sich unsere Gemeinde weiterentwickeln, wie kommen wir miteinander voran? Sie berichten von Zeiten, die mühsam waren. Konflikte haben die Gemeinde über etliche Monate lahmgelegt. Man war ständig mit sich selbst beschäftigt. Dabei hatte man den Auftrag, das Ziel der Gemeinde aus den Augen verloren und war nur am Kreisen um sich selbst. Nun wollen diese Mitarbeiter diese negative Tendenz aufbrechen und wir überlegen gemeinsam, wie dies möglich ist. Wie läßt sich erneut die Berufung der Gemeinde nach den Zeiten einer Krise entdecken? Wie wächst der Blick in die Zukunft, der sich in konkreten und herausfordernden Zielen niederschlägt? Die Gemeinde ist ja schließlich nicht für sich selbst da, sondern sie hat eine Aufgabe, die ihr von Gott gegeben wird. Wie kann die ganze Gemeinde das erneut erkennen? Welche Schritte nach vorn sind heute dran?

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Verweigerte Veränderungen

Spät lese ich noch in einem Buch, daß die Identifikation mit einer Organisation stabile Verhältnisse voraussetzt. Nur worauf man sich verlassen kann, an das kann man auch sein Herz hängen. Ich komme ins Nachdenken: Ist das das Problem in vielen Gemeinden, daß man sich so sehr mit seiner Gemeinde identifiziert, daß man sie zur eigenen Sache macht? Dann will man aber, daß alles so bleibt, wie man es sich vorstellt und es für sich braucht, und ist nicht bereit, sich auf Veränderung einzulassen. Eine Veränderung der Gemeinde würde bedeuteten, daß man sich selber verändern muß. Man soll sich etwas von seinem Herzen reißen, was zutiefst zu einem selbst gehört. Kein Wunder wehrt man sich gegen alle Veränderung, denn sie bedroht und verletzt einen selbst in seinem Innersten; Eingriffe in die Gemeinde sind Eingriffe in die eigene Persönlichkeit! Deshalb wehrt man sich mit allen Mitteln dagegen und stellt sich quer, wenn der Ablauf des Gottesdienstes nur geringfügig geändert wird oder neue Schwerpunkte im Gemeindeleben gesetzt werden sollen.

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Was ist zu tun?

Es stellen sich heute in unseren Gemeinden viele Fragen. Wir stehen vor gravierenden Veränderungen und starken Herausforderungen.
Wir schaffen das nur gemeinsam und nur, wenn wir uns zusammensetzen und ins Gespräch kommen. Aber dann stellen wir fest, wie mühsam die Kommunikation ist und wie schwer wir uns damit tun, den anderen zu verstehen.

Klar ist: wir brauchen wieder eine gemeinsame Mitte. Wir brauchen den, der uns verbindet: Jesus Christus. Wir müssen die Kraft für unser Gemeindeleben weniger aus Programmen und Konzepten schöpfen als aus unserem Glauben an Gott. Wir müssen zurück zu den Wurzeln.

Diesen Weg gilt es wieder neu zu entdecken!

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Gemeindeberatung: Den Kurs bestimmen

Frage: Wir sind als Gemeindevorstand (Kirchengemeinderat) schon einige Zeit zusammen, aber irgendwie wissen wir nicht, wo’s lang geht. Es fehlt uns eine Perspektive für die nächsten Jahre. Wie kommen wir zu einer Vision und zu Zielen?

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Ein Bild von Gemeinde entwerfen

Ich treffe auf einen Kirchenvorstand, der sehr aufgeschlossen und diskutierfreudig ist. Man lacht gern, versteht sich gut und nimmt sich auch gern einmal "auf den Arm". Getränke und Gebäck stehen auf dem Tisch.

Wir stellen fest, wie es in der Gemeinde aussieht. Auf einem großen Bogen Papier tragen wir die Gruppen und Aktivitäten ein und bringen die verschiedenen Bereiche durch Striche und Linien in eine Beziehung zueinander. Mittelpunkt der Gemeinde ist der Gottesdienst und das Gemeindefest, das einen Höhepunkt im Jahresablauf bildet.

Es ist viel los in dieser Gemeinde und die Stimmung ist von Zufriedenheit geprägt. Trotzdem ist man der Ansicht, daß es nicht genügt. Es fehlt eine Richtung, eine Gesamtschau. Man möchte sich nicht nur von den Tagesereignissen bestimmen lassen und zielgerichteter arbeiten. Wir überlegen uns ein Bild von Gemeinde: Gibt es einen Vergleich oder eine Metapher, mit der wir sie beschreiben können?

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"Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt..."

Nach einigem Nachdenken einigt man sich darauf: Gemeinde ist wie ein Schiff.

Gemeinsam malen wir nun ein großes Schiff. Die kreative Arbeit macht Spaß, jeder trägt etwas dazu bei, die Ideen überschlagen sich zeitweise. Dann betrachten wir das fertige Bild und übertragen es auf die Gemeinde.

Bei einigen Details sind wir uns schnell einig. Das "Schwert", das verhindert, daß das Schiff kippt, sind die Werte, die das Gemeindeleben prägen. Das große Steuerruder ist die Bibel, das Wort Gottes.. Die Segel: das Gemeindeleben muß vielfältig sein und entfaltet werden, damit der Wind des Heiligen Geistes hineinblasen und das Schiff voranbringen kann.

Nur bei der Frage, wer am Steuerrad steht, war sich der Gemeindevorstand nicht so klar. Ist es Jesus? Die einen stimmen dem zu, während andere meinen, daß sei doch die Aufgabe des Pfarrers. Der anwesende Pfarrer widerspricht heftig. Sein Platz sei oben im Ausguck, da steht er mit seinem Fernrohr und sieht Fernes und Zukünftiges ganz nah. Der Pastor zwischen Himmel und Erde, weit weg von der Mannschaft an Deck an der Stelle des Schiffes, die am meisten schwankt? Es entspinnt sich ein wichtiges Gespräch über die Aufgabe des Pfarrers. Das Ergebnis ist, daß Pfarrer und Gemeindevorstände gemeinsam die Steuerleute des Schiffes sind und sich am Steuerrad und im Ausguck abwechseln. Jeder ist dafür verantwortlich, daß die Fahrt gelingt. Und Jesus? Er ist der Schiffseigner, der den Kurs festgelegt und das Ziel bestimmt.

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Wohin geht die Fahrt?

Nun sind wir am Kern unserer Überlegungen: Wo ist das Ziel? Welchen Kurs steuert das Schiff? Wie lautet der Zweck seiner Fahrt?

Ist das Schiff ein Ausflugsdampfer: die Mannschaft rackert sich ab und die Passagiere sonnen sich auf Deck und erholen sich? Sind einige wenige in dieser Gemeinde dazu da, andere zu bedienen und dafür zu sorgen, daß es ihnen gut geht?

Oder ist der Zweck der Fahrt, möglichst schnell einen sicheren Hafen zu finden und sich dort festzumachen?

Geht es vielleicht darum, Unrat aus dem Meer zu fischen oder "Meeresungeheuer" zu bekämpfen?

Nein, man möchte lieber ein Rettungsboot steuern, das in Fahrt ist, um Schiffbrüchige zu retten, Ertrinkende aufzufischen und einsame "Robinson-Gestalten" zu finden.

Bei dieser Aufgabe ist die ganze Mannschaft auf dem Schiff gefragt, alle helfen mit, damit die Ziele erreicht werden können. Ein Gemeindevorstand ergänzt das Bild und schreibt auf den Bug den Namen des Schiffes: "AGAPE". Jetzt hat die Fahrt des Schiffes ein griffiges Motto, das sich auf die Gemeindearbeit umsetzen läßt.

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Sich aufs offene Meer wagen

Die Fragen heißen nun im Blick auf die Gemeinde: Wie können wir zu einer Mannschaft werden, die dieser herausfordernden Aufgabe gerecht wird? Wie müssen wir unsere Gottesdienste, Gemeindefest und Veranstaltungen gestalten, damit sie für "Ertrinkende" und "Schiffbrüchige" anziehend sind? Wie finden wir solche Menschen, die am "Absaufen" sind?

Hier gibt es nun einiges zu tun und zu überlegen. Aber es geht nicht mehr um die Frage: Was tun wir? Sondern darum: Wie tun wir es? Die Angebote füllen nicht nur einen interessanten Veranstaltungskalender, sondern sie bekommen eine Richtung , eine Aufgabe, ein Ziel.

Darüberhinaus hat der Gemeindevorstand sich aufgrund des Bildes vom Schiff folgende Fragen vorgenommen: Welche Werte sind für uns wichtig, damit wir "im Lot" bleiben?

Wie steuert die Bibel, das Wort Gottes, unseren Kurs (hier ist der Pfarrer als Theologe gefragt)? Wie können wir unsere Gemeindearbeit so vielfältig entfalten, daß wir- wie bei einem Segel - dem Wind des Heiligen Geistes möglichst viel Angriffsfläche bieten, um "volle Fahrt" zu bekommen?

Das Bild des Schiffes "AGAPE", das der Kirchenvorstand gemalt hat, hängt noch heute im Gemeindehaus als ständige Erinnerung an diese "Vision". Und der Kirchengemeinderat hat genug Arbeit für die nächsten Jahre, um die anstehenden Fragen zu klären und umzusetzen.

Das Eingreifen Gottes

In einer Gruppe ging es um Offenheit und Ehrlichkeit. Die Leiter luden mich zu einer Beratung ein, da es ihnen so vorkam, als ob es mit ihrer Gruppe einfach nicht voranginge. Wir hatten uns dann bereits einige Treffen lang mit dem Thema "Offenheit" befaßt. Ich versuchte auf verschiedene Weise, die Gruppenmitglieder miteinander ins Gespräch zubringen, aber alle Versuche waren im Ansatz steckengeblieben. Wir berührten immer wieder nur für einen kurzen Moment den Punkt, wo sich einzelne öffneten und ein Stück mehr von sich offenbarten.

Stumm und mit verschlossenen Gesichtern saß mir die Gruppe gegenüber, ich konnte in ihrem Gesichtsausdruck nicht erkennen, ob ich sie mit meinen Worten erreichte und was ich auslöste. Die Gefühle waren eingesperrt und die Fensterläden dicht verschlossen, so daß niemand sehen konnte, was sich dahinter abspielte. Es war in dieser Gruppe nicht üblich, Gefühle zu zeigen; Gefühle erzeugten Angst und verunsicherten. Man hatte gelernt, wie man miteinander umzugehen hat und so bestanden die Äußerungen aus theologischen Richtigkeiten. Niemand sprach von sich selbst, sondern man wiederholte immer wieder die gleichen Floskeln und Worthülsen, die biblisch abgesichert waren. Alle nickten, wenn jemand solche Aussagen machte, das war sicheres und zuverlässiges Terrain, hier kannten sich alle aus, niemand lief Gefahr, sich bloßzustellen oder zu blamieren. Über sich selbst zu reden und Gefühle anzusprechen dagegen war riskant und deshalb verschloß man sich lieber in seinem Innersten. Aber es war klar: so war inneres und äußeres Wachstum der Gruppe unmöglich.

Ich spürte, daß die einzelnen Gruppenmitglieder Angst voreinander hatten. Sie befürchteten, von den anderen abgelehnt zu werden und aus der tragenden Gemeinschaft zu fallen, wenn sie etwas sagten, was nicht Konsens war und von allen so bestätigt werden konnte. Man fürchtete, sich selbst zu verlieren und nicht mehr akzeptiert zu werden.

Ich sprach diesen Umstand an und fragte danach, was der verliert, der sich öffnet. Aber diese Frage war schon zuviel und ich sah, wie sich einzelne in ihr Inneres verkrochen. Offensichtlich steckten tiefe und schmerzvolle Erfahrungen hinter diesem Verhalten. Einer belauerte den anderen und jede Äußerung wurde sofort einer kritischen Bewertung unterzogen und auf die theologisch-biblische Richtigkeit überprüft. Wurde einmal eine persönlichere Ebene erreicht, ging man mit einem Scherz und Gelächter darüber hinweg. Das hatte nun schon oft zu Verletzungen geführt; wer sich öffnete und etwas von seinem Innersten preisgab, mußte damit rechnen, nicht ernstgenommen, ausgelacht oder abgelehnt zu werden.

Während ich mir überlegte, wie diese Blockaden zu brechen wären, kam ein Mitglied der Gruppe erhitzt und aufgelöst in den Raum. Er war so erregt, daß er sich gar nicht hinsetzen konnte, sondern gleich herausplatzte, daß er eben aus dem Krankenhaus käme. Dort wäre bei einer Routineuntersuchung seines 6jährigen Sohnes eine schwere Deformation des Herzens festgestellt worden, die sofort am nächsten Tag operativ behandelt werden müßte. Der Ausgang dieses Eingriffs sei offen, die Eltern müßten aber mit dem schlimmsten rechnen.

Die Gruppe reagierte auf diese Mitteilung sehr betroffen. Es bewegte alle zu sehen, wie dieser Mann vor allen seine Not offenlegte und daß er sich seiner Tränen nicht schämte. Inständig bat er die Gemeinschaft, ihn und seine Familie nun nicht allein zu lassen, sondern in dieser schweren Situation zu begleiten und mitzutragen. Sie könnten diese schwere Zeit nur durchstehen, wenn er und seine Familie Unterstützung und Hilfe bekämen.

Es war nun, wie wenn ein Damm gebrochen wäre: Allen war die Bestürzung anzumerken, einzelne waren so berührt, daß sie mit dem Vater weinten. Andere standen auf und stellten sich sichtbar zu diesem Mann in seiner Not. Während vorher alle um den großen Tisch saßen, kam nun Bewegung in die Gruppe. Der Leiter schlug vor, sofort für diese Angelegenheit zu beten. Es wurde eine lange und intensive Gebetsrunde, zu deren Schluß ein Leiter dem verzweifelten Vater die Hand auf den Kopf legte und ihn für die kommende Zeit segnete und unter den Schutz Gottes stellte.

Alles war sehr einfach und unkompliziert gegangen, es war wie eine Woge gewesen, die alle mitgenommen hatte. Nichts war dabei künstlich oder übertrieben. Es war gar keine Zeit gewesen, die Vorgänge kritisch zu prüfen, man war genötigt zu handeln. Gott hatte die Gruppe herausgefordert und diese hatte das getan, was ihr Gefühl sagte.

Als der Mann getröstet und beruhigt wieder hinausging, blieb eine Gruppe zurück, die sich auf ganz neue Weise erfahren hatte. Jetzt, danach, kam bei dem einen oder anderen ein unbehagliches Gefühl auf: Hatte man etwas Falsches getan, war man zu weit gegangen? Mißtrauisch und vorsichtig schauten sie in die Runde. Aber die Gesichter waren offener geworden, die Stimmung gelöster und freier, eine Spannung, die vorher über der Gruppe gelegen hatte, war gewichen. Nein, keiner wollte mehr hinter das Gewesene zurück, sie hatten sich ganz neu als ehrliche und offene Gemeinschaft erfahren und gespürt, was in ihnen steckte und wie gut es war, wenn sie ehrlich voreinander sein konnten, ohne sich absichern zu müssen.

Gott sei Dank, dachte ich, hat Gott hier eingegriffen und das Blatt selbst gewendet.

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Inhaltsverzeichnis:

Was geht ab? (Analyse der Situation)
Gemeindeberatung: Den Kurs bestimmen
Das Eingreifen Gottes

Wie können alle Dinge zum Besten dienen? (Römer 8,28)
Briefe an müde Gemeinden - 1. Brief
In schwierigen Situationen: Flüchten oder Standhalten?

Mimosenhaftes Verhalten in christlichen Gemeinden
Briefe an müde Gemeinden - 2. Brief
Müde Mitarbeiter oder neue Motivation

Wenn der Riese erwacht
Briefe an müde Gemeinden - 3. Brief
Konkrete Schritte planen

Der inszenierte Konflikt
Briefe an müde Gemeinden - 4. Brief
Was braucht der postmoderne Mensch?

n/a

Seine Feinde lieben ?
Die Zeichen der Zeit erkennen und verstehen






Der Gottesdienst und die Gemeinde
10 Schritte zur Veränderung

Zipfelfreundschaft und Nickfreundschaft
Gottesdienst der 3. Art

Mitarbeiter im Reich Gottes
Bericht vom 4. TrendForum

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Den gemeinsamen Auftrag entdecken
Der Mitarbeiter hat seine Schuldigkeit getan


Wer ist mein Nächster ?
Versöhnung

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Otto Stockmayer (Biografie)
Bericht vom 5. Trend-Forum

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Als dem Pfarrer die Weihnachtsfreude fehlte
Der Streit unter Christen


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Grund-Sätze der Gemeindeberatung
Bericht vom 6. Trend-Forum

Gemeinsames Leben in der Gemeinde - von der Regel des heiligen Benedikt lernen

Wahrheit und Ehrlichkeit in christlichen Gemeinden

Der lange Weg zur Ruhe

Die reiche Gemeinde
Bin ich berufen?

Wie das Schiff "Gemeinde" in Fahrt kommt

Gemeinde verstehen
Protokoll vom 7. Trend Forum

Gemeinde ist mehr: Gemeinde als Leib

Vollmächtige Leitung: von der Mitte her leiten
Gemeinde und ihre Leitung

Jeder Christ ein Mitarbeiter

In Krisenzeiten eine gemeinsame Vision gewinnen
Zukunftswerkstatt für Gemeinden

Selbstbewusstes Christsein

Wie die erste Gemeinde
Protokoll des 8. Trend-Forums

Baustelle Arche Noah

Endzeitstimmung
Wie kann eine Gemeinde ihren Auftrag entdecken?

Fruchtbare Spannung
Das Evangelium zu den Menschen bringen

Die neue Gemeinschaft
Nicht-von-der-Welt-Gemeinschaft

Mitarbeiter - das kostbarste Gut der Gemeinde
Seniorenarbeit

Die sieben Sendschreiben
Leiten in der Krise

Formen geistlichen Lebens
Impuls für Mitglieder in Leitungsgremien

So kann es nicht weitergehen
Der Trugschluss des Ahab

Gemeinde entsteht von innen
Als Gemeinde zu einer neuen Spiritualität finden


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