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Infobrief

Zweck und Inhalt dieses regelmäßig erscheinenden Infosbriefes sind die Analyse der gegenwärtigen Zustände in Kirche und Gemeinden, Stellungnahmen, Meinungen, Zeugnisse und Berichte, Tips und Modelle. Ich freue mich über Rückmeldungen! Wer einen Gedanken hat, den er gern anderen mitteilen möchte, kann ihn gern an mich schicken. Wer eine wichtige Erfahrung macht, die für andere bedeutsam sein könnte, oder eine Erkenntnis, die andere voranbringt... bitte aufschreiben und mir zusenden!

Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluß berufen sind. (Römer 8,28)

Dieser Bibelvers begleitet mich in der letzten Zeit intensiv. In vielen Konfliktsituationen wird er lebendig.
Da erlebe ich bedrängende Situationen, Menschen kämpfen gegen Menschen, die Situation verhakt sich bis zur Unbeweglichkeit. Mauern werden hochgezogen, Verletzungen einander zugefügt und der Standpunkt des anderen massiv in Frage gestellt.

Was soll daran gut sein? Wie kann diese Lage zum Besten dienen?

Konflikte und Krisen sind Chancen - wenn sie der Klärung des eigenen Standpunktes dienen. Sie zwingen zu einer Selbstklärung: Was will ich eigentlich? Warum vertrete ich diese Meinung, was steckt für mich dahinter, wenn ich auf meinen Standpunkt so viel Wert lege?
Wer darüber ehrlich und selbstkritisch nachdenkt, erfährt Neues über sich und seine Umstände.
Wer nicht nur auf die Sackgasse starrt, in der er feststeckt, sondern sich darüber Gedanken macht, warum er hier gelandet ist, blickt hinter die Mauern, die ihn umgeben - und bekommt eine neue Sichtweise.
Konflikte zeigen: Der Karren ist an die Wand gefahren, es geht nicht mehr vorwärts. Sie zwingen dazu, aus dem bequemen Trott auszusteigen und nach Alternativen zu suchen. Es muß sich etwas verändern - ich muß mich verändern!
In Konflikten steckt ein hohes Potential an neuer Zukunfts-Energie, sie fordern von den Beteiligten eine schon längst fällige Veränderung oder Korrektur des eigenen Weges oder der eigenen Meinung. Sie konfrontieren mit dem Teil der Wirklichkeit, der bisher erfolgreich verdrängt wurde.
Das Problem ist: Stellt man sich der unausweichlichen Situation und anerkennt die Blockade, entsteht das Gefühl, man würde ins Dunkel starren. Es geht nicht mehr weiter, aber man weiß (noch) nicht, wie sonst. Neue, andere Verhaltensweisen stehen noch nicht zur Verfügung und man hat meistens nicht einmal eine Ahnung davon, wie sie aussehen könnten. Der Zustand des Nicht-mehr und des Noch-nicht muß ausgehalten werden. Mehr noch: Die Spannung des Dazwischen gilt es fruchtbar zu machen. Im besten Fall bildet dieser kritische Moment ein Vakuum, das neue Ideen "ansaugt" - alle Kräfte werden mobilisiert, um einen gangbaren Weg ins Neue zu finden. Die Ressourcen der Kreativität werden bis ins Letzte ausgeschöpft: Menschen werden gefragt, Berater -angezapft-, Gott im Gebet bestürmt.
Die richtigen Fragen lauten: Wie soll es weitergehen? Was ist jetzt dran? Wie kann die schwierige und belastende Situation ins Positive gewendet werden? Zukunftsorientierte Fragen öffnen verschlossene Türen. Der Konflikt zeigt, daß Neues bereitsteht - man muß es nur entdecken!
Für mich heißt das in Konfliktsituationen: Alles was geschieht, dient zu meinem Heil! Das bedeutet nicht, daß alles nur leicht und ohne Probleme geht. Aber ich komme dadurch voran, daß ich mir überlege welches Heil in dieser Situation verborgen ist. Ich gewinne dabei eine neue Sichtweise, ich entdecke Alternativen, die für mich bisher nicht im Bereich des Möglichen lagen, ich entfalte ungeahnte Fähigkeiten, erweitere meinen Horizont und meine Belastungsgrenzen, ich wachse über mich hinaus und reife in meiner Persönlichkeit. Auf diese Weise bin ich der Gewinner des Konfliktes - auch wenn ich verlieren sollte.
Paulus sieht das so: Wir wissen, daß Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung. Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden...(Römer 5, 3-5).

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Briefe an müde Gemeinden - 1. Brief

Liebe Gemeinde,
wenn ich sehe, was du hinter dir hast, verstehe ich, warum du müde bist!
Du hast eine turbulente Zeit mit starken Veränderungsprozessen und den daraus folgenden Umbrüchen, Krisen und Verunsicherungen überstanden. Genau genommen hast du eine grundsätzliche und gravierende Wendung hinter dir - von einer eher traditionellen, konservativen Gemeinden zu einer jungen, dynamischen.
Es gab Gemeindeglieder, die dir diese Veränderung übelgenommen haben, einige haben dir sogar empört den Rücken gekehrt.
Vielleicht ist es auch das, was dich so müde macht, daß viele Verletzungen noch nicht geheilt sind und die Schwierigkeiten dir noch in den Knochen sitzen. Wenn ich genau hinschaue, stelle ich fest, daß es Gemeindeglieder gibt - und auch einige Gruppen sind darunter -, die sich in den Zeiten der Veränderungen hinter sicheren Mauern verschanzt haben. Einige dieser Mauern sind aus Steinen gebaut, die aus einzelnen Verletzungen bestehen. Jede Verwundung, alle Angriffe, Empfindlichkeiten und viele Ängste haben dazu geführt, daß diese Mauern sehr hoch und dick geworden sind.
Und wenn du nun vorangehen möchtest, deinen neu gewonnenen Stand einnehmen oder den Auftrag, den du für dich entdeckt hast, umsetzen möchtest, dann stellst du fest, daß diese Mauern dich behindern. Sie trennen Menschen voneinander, sie sorgen für Vereinzelung und schaffen Bereiche, die sich der Einflußnahme durch die Leitung entziehen.
Über kurz oder lang wird nun folgendes passieren (ich möchte dich darauf vorbereiten):
Die Herausforderungen, in die du gerätst, werden so stark sein, daß an den Mauern kräftig gerüttelt wird. Der Druck von außen, unter den du als Gemeinde kommst, wird sich verstärken, denn du stellst dich ja jetzt den harten Bedingungen unserer heutigen Gesellschaft und trittst in Konkurrenz mit anderen -Heils-Anbietern-. Dieser Druck von außen und die zunehmende Spannung in deinen eigenen Reihen wird so heftig an den Mauern reißen, daß sie einstürzen werden.
Dann mache dich darauf gefasst, daß die Menschen, die nun plötzlich die schützenden Mauern entbehren müssen, die sich nicht mehr hinter ihre Empfindlichkeiten verbergen können und nicht mehr die alten Wunden als Ausreden gebrauchen können, um sich schlagen oder bestenfalls empört losheulen. Ihre Verletzungen treten zutage, sie fühlen sich nackt und ausgeliefert.
Reagiere dann nicht ebenfalls getroffen und ziehe dich nicht gekränkt von denen zurück, die belastend sind. Betrachte sie nicht als Hemmschuh oder Hindernis im Voranstürmen.
Du hast als Gemeinde nun die Chance, dich schützend um diese Menschen zu stellen und dich um die Verwundungen der Vergangenheit zu kümmern, um sie zu heilen. Dann bist du frei und viel besser in der Lage, den nächsten Schritt zu tun.
Wenn die gekränkten Glieder in deiner Mitte spüren, daß sie sich nicht verteidigen müssen, sondern daß sie Zuspruch, Annahme und Wertschätzung erfahren, erleben sie, daß sie ohne weiteres auf ihre hindernden Schutzmauern verzichten können.
Mein Vorschlag ist, daß ihr miteinander vor Gott kommt und die Schwachstellen eurer Vergangenheit ins Licht Gottes bringt. Sprecht die Verletzungen und Zerwürfnisse vor ihm aus, sprecht euch im Namen Jesu Vergebung zu und fangt neu miteinander an. Entschließt euch zu einem neuen Ja zueinander, damit du als Gemeinde in Einheit und Geschlossenheit deinen Weg in eine gute Zukunft gehen kannst.

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Flüchten oder Standhalten?

Frage: Kann es in der Gemeinde Situationen geben, in der ein Konflikt aussichtslos ist und wo auch die offenste Auseinandersetzung zu keinem guten Ergebnis führt? Was ist dann zu tun?

Nur keinen Streit vermeiden?
Eine bunte Schar motivierter Teilnehmer sitzt vor mir. Ich halte ein Seminar über Konfliktbewältigung in Gemeinden. Wir haben an dem theoretischen Verständnis der Konfliktentstehung und -dynamik gearbeitet und sind nun beim praktischen Teil. Jetzt wird es mühsamer und es wird deutlich, daß bei einem Konflikt vieles zusammenkommt. Mühsam versuchen wir anhand einzelner Beispiele das Konfliktgeschehen durchsichtig zu machen, denn wir wollen Lösungen finden. Dann kommt die Frage auf: -Gibt es auch Konflikte, die nicht auflösbar sind? Was ist zu tun, wenn es kein gutes Konfliktende gibt?-
An den Gesichtern der Seminar-Teilnehmer sehe ich: Jeder kennt Beispiele für Konflikt-Situationen, die nicht gut ausgegangen sind und einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen haben. Und in der Tat: Nicht jeder Konflikt kann gelöst werden! Es gibt Auseinandersetzungen, die nicht für alle Beteiligten positiv ausgehen. Oft werden wir in Streitigkeiten verwickelt, die wir gar nicht wollen oder die uns überfordern.

1. Schritt: Selbstklärung
Statt sich dem Konfliktgeschehen gleich auszuliefern und sich in dessen Bann ziehen zu lassen, ist ein Moment des Innehaltens geboten. Stellen Sie sich, bevor Sie in den Konflikt einsteigen, folgende Fragen:
  • Ist dieser Konflikt notwendig oder überflüssig?
  • Ist der Konflikt lösbar oder hat er keine Chance auf ein gutes Ende?
  • Habe ich die Kraft und die Möglichkeiten, diesen Konflikt durchzustehen?
Wenn Sie alle drei Fragen mit einem eindeutigen "Nein" beantworten, rate ich Ihnen, die Finger von diesem Streit zu lassen, Sie geraten sonst in eine ausweglose Situation.
Was ist aber dann in einem solchen Fall zu tun?

2. Schritt: Fliehen Sie!
Gehen Sie diesem Konflikt aus dem Weg, treten Sie die Flucht an. Das ist am ehesten möglich, wenn der Konflikt noch nicht ausgebrochen ist. Wenden Sie sich ganz bewußt von dem Streitgegenstand ab, sagen Sie, daß Sie damit nichts zu tun haben. Eine Flucht ist nichts Ehrenrühriges, Fliehen gehört zum Menschsein dazu, diese Möglichkeit ist von Gott vorgesehen! Da wir von Gott Verantwortung für unser Leben bekommen haben, haben wir auch die Verpflichtung, unser Leben zu erhalten. Wo unser Leben angegriffen wird und zerstört werden soll, dürfen wir uns wehren, und wenn das nicht geht, dürfen wir uns einer Situation der Bedrängnis entziehen. Wir müssen nicht alles so lange ertragen oder durchfechten, bis wir selbst am Ende sind.

Wo ist Flucht angesagt?
Flucht ist dort die richtige Reaktion, wo die Sache festgefahren ist und sich nicht mehr bewegt, wo man schon monatelang auf der Stelle tritt und alle Kräfte sinnlos vergeudet. Wenn die Strukturen keinen Spielraum mehr lassen und alles genau festgelegt ist, ist ebenfalls fliehen besser als standhalten, denn sonst sind Sie nur noch Spielball und nicht mehr Handelnder. Ihr Leben gehört nicht mehr Ihnen, sondern andere bestimmen über Sie.
Flucht kommt auch dort in Frage, wo Sie selbst nicht mehr können und mit den Nerven am Ende sind.
Wo Sie bewußt fertiggemacht werden, Ihnen die Würde genommen wird oder Machtmenschen Sie beherrschen, ist Flucht besser als ein Streit.
Immer dort, wo der Eindruck besteht, es wird nicht mit offenen Karten gespielt, ist eine faire, ehrliche Auseinandersetzung nicht möglich.

Flucht bedeutet nicht: Kopf in den Sand!
In unserem Seminar gebe ich diese Ratschläge sehr unverblümt weiter. Die Teilnehmer sehen mich erstaunt an. Einer meldet sich und fragt: "Aber ist das nicht genau der Vorgang, der in vielen christlichen Gemeinden passiert: Um der Harmonie willen werden die Konflikte unter den Teppich gekehrt?"
Nein, es geht nicht um eine falsche Harmonie. Flucht bedeutet nicht, so zu tun, als sei alles in Ordnung und es gäbe keine Differenzen. Das wäre ein Verhalten wie das des Vogels Strauß bei Gefahr: Er steckt einfach den Kopf in den Sand, dann sieht er nicht, was um ihn herum passiert.
Flucht bedeutet, sich offen abzuwenden und eindeutig zu erklären: "Damit will ich nichts zu tun haben!" Der Tatbestand, daß ein Konflikt vorliegt, wird nicht geleugnet, aber es wird eine klare Grenze zwischen dieser bedrohlichen Sache und der eigenen Person gezogen. Flucht ist dadurch nichts Erniedrigendes, kein sich Davon-stehlen, sondern eine verantwortliche Entscheidung, die in Würde getroffen und vollzogen wird.

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Inhaltsverzeichnis:

Was geht ab? (Analyse der Situation)
Gemeindeberatung: Den Kurs bestimmen
Das Eingreifen Gottes

Wie können alle Dinge zum Besten dienen? (Römer 8,28)
Briefe an müde Gemeinden - 1. Brief
In schwierigen Situationen: Flüchten oder Standhalten?

Mimosenhaftes Verhalten in christlichen Gemeinden
Briefe an müde Gemeinden - 2. Brief
Müde Mitarbeiter oder neue Motivation

Wenn der Riese erwacht
Briefe an müde Gemeinden - 3. Brief
Konkrete Schritte planen

Der inszenierte Konflikt
Briefe an müde Gemeinden - 4. Brief
Was braucht der postmoderne Mensch?

n/a

Seine Feinde lieben ?
Die Zeichen der Zeit erkennen und verstehen






Der Gottesdienst und die Gemeinde
10 Schritte zur Veränderung

Zipfelfreundschaft und Nickfreundschaft
Gottesdienst der 3. Art

Mitarbeiter im Reich Gottes
Bericht vom 4. TrendForum

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Den gemeinsamen Auftrag entdecken
Der Mitarbeiter hat seine Schuldigkeit getan


Wer ist mein Nächster ?
Versöhnung

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Otto Stockmayer (Biografie)
Bericht vom 5. Trend-Forum

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Als dem Pfarrer die Weihnachtsfreude fehlte
Der Streit unter Christen


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Grund-Sätze der Gemeindeberatung
Bericht vom 6. Trend-Forum

Gemeinsames Leben in der Gemeinde - von der Regel des heiligen Benedikt lernen

Wahrheit und Ehrlichkeit in christlichen Gemeinden

Der lange Weg zur Ruhe

Die reiche Gemeinde
Bin ich berufen?

Wie das Schiff "Gemeinde" in Fahrt kommt

Gemeinde verstehen
Protokoll vom 7. Trend Forum

Gemeinde ist mehr: Gemeinde als Leib

Vollmächtige Leitung: von der Mitte her leiten
Gemeinde und ihre Leitung

Jeder Christ ein Mitarbeiter

In Krisenzeiten eine gemeinsame Vision gewinnen
Zukunftswerkstatt für Gemeinden

Selbstbewusstes Christsein

Wie die erste Gemeinde
Protokoll des 8. Trend-Forums

Baustelle Arche Noah

Endzeitstimmung
Wie kann eine Gemeinde ihren Auftrag entdecken?

Fruchtbare Spannung
Das Evangelium zu den Menschen bringen

Die neue Gemeinschaft
Nicht-von-der-Welt-Gemeinschaft

Mitarbeiter - das kostbarste Gut der Gemeinde
Seniorenarbeit

Die sieben Sendschreiben
Leiten in der Krise

Formen geistlichen Lebens
Impuls für Mitglieder in Leitungsgremien

So kann es nicht weitergehen
Der Trugschluss des Ahab

Gemeinde entsteht von innen
Als Gemeinde zu einer neuen Spiritualität finden


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