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Zweck und Inhalt dieses regelmäßig erscheinenden Infosbriefes sind die Analyse der gegenwärtigen Zustände in Kirche und Gemeinden, Stellungnahmen, Meinungen, Zeugnisse und Berichte, Tips und Modelle. Ich freue mich über Rückmeldungen! Wer einen Gedanken hat, den er gern anderen mitteilen möchte, kann ihn gern an mich schicken. Wer eine wichtige Erfahrung macht, die für andere bedeutsam sein könnte, oder eine Erkenntnis, die andere voranbringt... bitte aufschreiben und mir zusenden!
Liebe
Leserinnen und Leser des Infobriefes Gemeinden in Bewegung,
wir stehen
in einer spannenden Zeit! Der Sommer scheint heißt zu werden,
Veränderungen und Umbrüche bahnen sich an. Vieles wird
nicht harmonisch und konfliktfrei verlaufen. Grundlegende
Umstrukturierungen werden Schmerzen und Unruhen verursachen. Um so
wichtiger ist es, dass wir uns als Christen deutlich einbringen und
bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Der
beigefügte Artikel - Leiten in schwierigen Zeiten -
möchte dazu Mut machen.
Ganz
herzlich lade ich Sie zu unserem 2. Trend-Forum am 15. Juli
2005 von 17.00 - 21.00 Uhr ein. Es bietet die Gelegenheit,
miteinander über Entwicklungen und Trends zu reden und
gemeinsame Schlüsse zu ziehen.
Folgender Ablauf ist geplant: 1. Drei Statements: gesellschaftliche
Entwicklungen, landeskirchliche Entwicklungen, freikirchliche
Entwicklungen. 2. Ergänzungen der Teilnehmer: Welche
Entwicklungen beobachte ich in meinem Umfeld? 3. Hören auf Gott.
4. Impulse daraus: Was sollen wir tun? Welche Konsequenzen ziehen wir
daraus?
Das
Trend-Forum findet im Gemeindehaus der evang.-freik. Gemeinde
(Baptisten) in Metzingen, Heinemannstraße 5 statt. Bitte
bis 8. Juli bei mir anmelden!
Im Mai ist
mein neues Buch erschienen:
Mit dem
Feuer der Liebe - Gesunde Gemeinden durch starke Beziehungen
Oncken
Verlag, Kassel, 12,90 Euro.
Als
Gemeindeberater erlebe ich bei vielen Diensten in Gemeinden, dass es
eine große Frage ist, wie Beziehungen in der Gemeinde gelebt
werden und wie Gemeinschaft entstehen kann. Darauf gehe ich in diesem
Buch ein.
Das Buch
gibt es in jeder Buchhandlung oder kann über mich bezogen
werden.
Bestellung über das Internet
Im Herbst
erscheint ebenfalls im Oncken Verlag das Buch "Mut zur
Veränderung". Ich haben den Eindruck, dass die beiden Bücher
genau zum richten Zeitpunkt erscheinen, da sie aktuelle Entwicklungen
aufgreifen und dazu beitragen können, dass in unseren Gemeinden
etwas in Bewegung gerät.
Ich
wünsche Ihnen eine gute sommerliche Zeit mit wichtigen Gedanken
und Erfahrungen. Ich freue mich, wenn Sie mir mitteilen, was Sie
beschäftigt. Die Foren im Internet bieten eine gute Gelegenheit,
miteinander im Gespräch zu sein und zu bleiben:
www.gemeinden-in-bewegung.de/wbboard
Mit
herzlichen Grüßen,
Johannes
Stockmayer
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Leiten in schwierigen Zeiten
Leitung
ist zu einem schwierigen Geschäft geworden. Je höher jemand
auf der Karriereleiter nach oben steigt, desto einsamer wird es um
ihn – oder sie. Mit wem können sich Führungskräfte
austauschen, wem können sie sich öffnen und wo finden sie
einen Ort, wo sie ihre Unsicherheiten und Zweifel zugeben können?
Denn viele
Leiter sind verunsichert durch den hohen Erwartungsdruck der
Menschen, für die sie verantwortlich sind. Von ihnen wird
erwartet, dass sie Leitfiguren sind, gehen sie aber voran und fordern
sie ihre Mitarbeiter heraus, wehren sich diese gegen die
Fremdbestimmung. Die Leiter sollen zwar garantieren, dass alles rund
läuft und die gesteckten Ziele erreicht werden. Wird es aber für
den Einzelnen zu anstrengend, macht man dem Leiter heftige Vorwürfe.
Kein Wunder, wenn Leiter vor Vorantwortung zurückschrecken oder
vor klaren und eindeutigen Entscheidungen Angst haben.
Die Folge
ist häufig, dass sich Leiter innerlich zurückziehen und
resignieren, sie weichen aus und lassen den Dingen ihren Lauf. Sie
geben keine innovativen Impulse mehr und vermeiden unpopuläre
Anweisungen. So bleibt aber alles beim Alten.
Andere
Leiter investieren sich weit über ihr Maß hinaus und
brennen aus. Sie verausgaben sich in den Kämpfen zwischen
Voranstürmen und Ausgebremstwerden. Da der Erfolg und meistens
auch ein Minimum an Anerkennung ausbleiben, sind sie mit ihren
Kräften bald am Ende und treten als gescheiterte Leiter ab. Im
Innersten sind sie verletzt und verunsichert und stehen für eine
lange Zeit nicht mehr für Leitungsaufgaben zur Verfügung.
Wieder
andere Leiter reagieren auf die Verunsicherung, indem sie sich
absichern. Alles wird dokumentiert, jede Anweisung schriftlich
ausgearbeitet und so entsteht eine große Fülle von genauen
Richtlinien und Verordnungen. Jedoch wo viele Regeln aufgestellt
werden und Sicherheitszäune den Alltag beherrschen, muss ständig
kontrolliert und überprüft werden. Die Folge davon ist,
dass sich kein Mitarbeiter mehr traut Vorschläge zu machen und
die Atmosphäre ist von Misstrauen und Unfreiheit geprägt.
Integrative
Leitung
Ein Leiter
muss heute Künstler sein in dem Metier, Gegensätze zu
verbinden. Das fordert von ihm Flexibilität bei gleichzeitiger
innerer Stabilität. Er muss mutig vorangehen, jedoch auch darauf
achten, dass alle mitkommen. Das stellt hohe Ansprüche an seine
Fähigkeit zur Menschenführung und verlangt von ihm ein
großes Maß an natürlicher Autorität. Er muss
klare Vorgaben geben, sollte aber trotzdem jedem Verständnis
entgegenbringen, das geht nur mit viel Empathie und Sensibilität.
In seinen Anweisungen muss er eindeutig sein, gleichzeitig erfordern
sich ständig verändernde Umstände, dass er sofort
flexibel auf die jeweilige Situation reagiert und seine Vorgaben
anpasst. Das kann er nur, wenn er über eine starke innere
Persönlichkeitsstruktur verfügt und nicht den Überblick
verliert. Er muss Klartext reden, aber trotzdem sollte er zuhören
können und als Moderator die unterschiedlichsten Vorschläge
seiner Mitarbeiter aufnehmen.
In dem
Spannungsfeld dieser Polarität sind Führungskräfte
herausgefordert, ihr Metier souverän zu beherrschen: Neben
fachlicher Kompetenz – je nach ihrem Tätigkeitsbereich
–brauchen sie soziale Kompetenz, die Kunst der
Menschenführung. Soziale Kompetenz bedeutet das ausbalancierte
Gleichgewicht zwischen den eigenen Interessen und den Absichten und
Bedürfnissen der anderen, so dass niemand zu kurz kommt. Nicht
Durchsetzungsfähigkeit sollte einen Leiter an erste Stelle
auszeichnen, sondern die Integration der Meinung des anderen in den
eigenen Standpunkt. Integratives Führungsverhalten kann ein
Leiter nur erreichen, wenn er kommunikative Kompetenz besitzt,
er muss Fachmann sein in Gesprächsführung. Reden und und
Verstehen sind die hauptsächlichen Führungsinstrumente für
einen Leiter. Und nicht zuletzt benötigt eine Führungskraft
ein großes Maß an geistlicher Kompetenz, sie muss
ihren Standpunkt haben und Werte vermitteln und deshalb fest
verwurzelt in einem Glaubensuntergrund sein, der sie vor allem in
chaotischen Situationen trägt. Gerade dann, wenn nach allen
Richtungen an ihr gezogen wird, muss sie eindeutig wissen, wo sie
steht und was sie will.
Wenn
die Krise Kreise zieht
Wer
Leitung ausübt, ist herausgefordert auf die Umstände zu
reagieren, um sie so zu bestimmen, dass sie seinem Vorteil dient
beziehungsweise dem Fortkommen seines Verantwortungsbereiches nützt.
Im umgekehrten Fall aber muss alles abgewehrt werden, was zu einer
Beeinträchtigung oder Zerstörung führen könnte,
muss der Verantwortungsbereich geschützt werden. Das verlangt
hellwache Aufmerksamkeit und ständige Bewertung der Vorgänge
in einem Alltag, in dem es kaum noch Routineabläufe gibt und
sich immer neue Dringlichkeiten vehement zu Wort melden. Jeder Tag
bedeutet eine hohe Anforderung an die psychische und physische
Leistungsfähigkeit einer Führungskraft. Umso wichtiger sind
Ruhephasen, Ausruhzeiten, Rückzugsmöglichkeiten – der
Sonntag wird als Ruhetag überlebensnotwendig. Wer ständig
Entscheidungen zu treffen hat, braucht Stille, um eine innere
Gelassenheit zu finden und sich klarzumachen, dass es letztlich nicht
auf ihn ankommt; sonst verschieben sich die Entscheidungskriterien
und Details bekommen ein zu großes Gewicht.
Da es in
der heutigen Zeit kaum noch allgemeingültige Regeln gibt, und
alles ständig neu definiert werden muss, ist nichts
grundsätzlich voraussetzbar. Die Folge ist eine Zunahme an
Unverbindlichkeit, denn alles ist möglich und denkbar, jeder
bestimmt seine Maßstäbe nach eigenem Gusto. Das heißt,
dass ständig überlegt und geklärt werden muss, was
möglich ist und was nicht.
Wenn zu
allem noch die steigenden Anforderungen auf dem Gebiet des Wissens
dazu kommen, wir uns klarmachen, wie komplex und vielschichtig die
Vorgänge um uns herum geworden sind, weil Verordnungen und
Gesetze in großem Ausmaß den Führungsalltag mit
beeinflussen und es kaum noch möglich ist, für eine
einzelne Person den Überblick zu behalten, dann spüren wir
etwas von dem, was viele Menschen als kritischen Zustand erleben:
Leitung ist zu einer Art Chaos-Management mutiert, jeder schaut, wie
er einigermaßen überlebt, und hofft, dass er im richtigen
Moment den richtigen Hebel bewegt und aus dem Durcheinander auf
wunderbare Weise etwas Gutes erwächst. Im Griff hat der Leiter
die Situation jedenfalls nicht – auch wenn er auf gut gespielte
Weise oder auch nur dürftig die Hilflosigkeit kaschierend den
Eindruck macht, er könne die Lage beherrschen.
Die
Krise der Gesellschaft
Da die
Orientierungslosigkeit weite Bereiche unserer Gesellschaft infiziert
hat, handelt es sich um eine Krise großen Stils. Es ist im
Wesentlichen nicht klar: Wer sind wir? Was wollen wir? Was können
wir? Das sind eindeutige Anzeichen für eine tiefe
Identitätskrise.
Das
grundlegende Lebensgefühl vieler Menschen ist von
Verunsicherung, Angst und Sorge geprägt. Sicherheit gibt nur
das, was man sich selber zuspricht, deshalb ist man ständig um
die eigene Beschreibung seiner Existenz bemüht, man inszeniert
sein Leben nach einem Drehbuch, das man selbst verfasst hat. Jeder
schreibt sich dabei die Rolle zu, die er gerne spielen möchte:
der tragische Held, der starke Retter, das hilflose Opfer oder der
allwissende Zauberer. Man entwirft eine (Schein-) Welt aus Macht und
Ohnmacht und bemüht sich um ein Happy-End – nur: der Ausgang
bleibt ungewiss, weil die Realität in diesem Theaterstück
(meistens) nicht mitspielt, weil sie ihre eigenen Spielregeln hat.
Das verdirbt die gute Laune und deshalb suchen viele Menschen nach
einer Garantie für einen triumphalen Schluss, bei dem der
Applaus sicher ist. Aber auch hier meldet sich die Wirklichkeit
brutal zu Wort: Meistens gibt es gar keine Zuschauer, und so muss der
Einzelne nicht nur für ein gutes Drehbuch seines Lebens sorgen,
die Regie übernehmen und als Darsteller auftreten, sondern
zugleich noch sein eigener Zuschauer sein und sich selbst Beifall
klatschen.
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Elemente
der Identitätskrise
Die
Identitätskrise macht sich auf dreifache Weise bemerkbar:
1. Die
Krise des Individuums: Da der Einzelne nicht weiß, wer er
ist und woher er den Sinn für seine Existenz nehmen soll,
projiziert er schnell und dankbar seine Erwartungen an andere,
vornehmlich an Führungspersönlichkeiten. Sie müssen
für ihn sorgen, sie müssen seine Rechte garantieren und die
Bedürfnisse erfüllen, die er hat. Seine Erwartungen sind
sehr hoch, er saugt die Führungskraft förmlich aus und
gewinnt seinen Wert, indem er sich an sie hängt und für
sein Leben für zuständig erklärt. Erfüllt sie
seine Wünsche und garantiert sie ihm ein sinnerfülltes
Leben, ist er zufrieden. Wenn nicht, wird es schwierig: tief
enttäuscht, wütend bis aggressiv macht er die zuständige
Leitung für sein Scheitern verantwortlich und setzt alles daran,
dass die Unfähigkeit dieser Führungskraft offenkundig wird,
denn sie ist schuld, dass das eigene Leben nicht gelingt.
Der
Transfer von Verantwortung an die Leitung wird durch den fehlenden
Realitätsbezug vieler Menschen in unserer Gesellschaft
verstärkt. Entweder reagieren sie überzogen selbstbewusst
und stellen sich als multibegabten Überflieger dar oder sie
stapeln tief und halten sich für wertlos. Beide Verhaltensformen
haben Konjunktur: übertriebene Selbstdarstellung bis hin zu
histrionischer Selbstinszenierung und depressiver Rückzug,
Minderwertigkeit und negative Selbst- und Weltsicht. Beide
Verhaltensformen wirken sich negativ auf der Beziehungsebene aus, der
normale und stabile Umgang mit anderen Menschen ist gestört, das
soziale Verhalten krankt.
2. Die
Krise des Systems: Die grundsätzliche Verunsicherung führt
dazu, dass man sich sichere Bereiche sucht und deshalb in Systeme
einklinkt, die in einer Gesellschaft, in der alles im Fluss ist,
Geborgenheit vermitteln. Geschlossene Systeme sind gefragt. Ein
System ist der ausgesprochene oder unausgesprochene Zusammenschluss
von Menschen, die sich Regeln geben für einen gemeinsamen Zweck
und zur Erreichung von festgelegten Zielen. In einem System ist das
Verhalten festgeschrieben, unter Umständen mit einer eigenen
Terminologie versehen, durch klare Abgrenzungen nach außen
geschützt und mit einem Kodex stabilisiert, der signalisiert,
wer dazu gehört und wer nicht. Jedes System achtet darauf, dass
das Gleichgewicht innerhalb dieses Bereichs erhalten bleibt, aber vor
allem ist es die Aufgabe der Leitung den Erhalt des Systems zu
garantieren. Jeder Leiter ist der Vertreter des jeweiligen Systems
und damit ist er auch für alle Regeln, für die internen
Verhaltensmuster und für die Zielerreichung zuständig.
Die Krise
des Systems bedeutet nun, dass der Schutz eines Systems zwar gesucht
wird, gleichzeitig wird es aber permanent als bedrohlich erfahren und
in Frage gestellt. Und damit gerät der Leiter als Vertreter des
Systems ins Schussfeld. Er wird angegriffen, wenn der für seinen
Bestand sorgt, Regeln durchsetzt und auf den gemeinsamen Zweck achtet
oder die notwendige Mitarbeit dafür einfordert. Zu beobachten
ist eine wachsende Zahl von Menschen, die von einem System zum
anderen pendeln (zum Beispiel durch Gemeindewechsel) und überall
ihre Forderungen stellen. Der Leiter wird zunächst auf einen
Thron gehoben und gefeiert, dann aber genauso heftig wegen
Kleinigkeiten bekämpft und abgelehnt, bis hin zur Forderung
seiner Absetzung; zuletzt wird er in die Wüste geschickt –
oder aber man wendet sich empört und enttäuscht ab und
sucht weiter nach seinem eigenen Stückchen Paradies auf dieser
Erde.
3. Die
Krise der Bewertung: Jede Krise bedarf einer Definition und sie
muss in einem gründlichen Prozess von allen Beteiligten als
solche identifiziert werden. Wie bewertet man die Lage? Ist sie
bereits kritisch oder besteht noch Hoffnung auf eine harmonische
Veränderung? In vielen Fällen besteht gegenwärtig ein
gravierender Dissens in der Beurteilung. Während die einen noch
lange keinen Handlungsbedarf sehen, schlittert für die anderen
die Situation der absoluten Katastrophe entgegen. Dabei geht es um
die gleiche Sache! Die einen werfen den anderen Verharmlosung,
Schönfärberei oder Verschleierung vor, während diese
den Spieß umdrehen und von Miesmachern, Katastrophenheinis und
ständigen Nörglern reden, die nicht ernst zu nehmen seien.
Dass man sich nicht auf eine gemeinsame Beurteilung einigen kann,
verschärft die Krise noch, denn man ist auf diese Weise in
seinem Handeln gelähmt und lässt zuletzt den Dingen ihren
Lauf, bis tatsächlich katastrophale Zustände jegliche
Krisenintervention unmöglich machen, weil es im Katastrophenfall
tatsächlich keine Handlungsoptionen mehr gibt.
Die Lage
zu bewerten ist jedoch eine genuine Aufgabe von Leitung. Die
Führungskraft beurteilt die Situation aufgrund ihrer
Wertmaßstäbe, und diese Analyse ist die Basis für
eventuell nötige Maßnahmen. Ist man aber auf der
Führungsetage in der Bewertung blockiert, weil die Maßstäbe
und Beurteilungskriterien krass gegensätzlich sind, wird das
erforderliche Eingreifen blockiert.
Bezieht
der Leiter mit einer klaren und eindeutigen Bewertung und der
entsprechenden Stellungnahme Position, gibt er seinen Standpunkt zu
erkennen, macht er sich angreifbar und verletzlich. Hat er falsch
geurteilt, wird er zur Verantwortung gezogen und hat die Folgen zu
tragen. Er macht sich zum Gespött und verliert unter Umständen
seine Autorität, weil er als Leiter versagt hat. Da ist es doch
verständlich, wenn er sich lieber hinter blumigen, allgemeinen
Floskeln versteckt und sich um klare Stellungnahmen drückt.
Leitung
birgt Risiken
Wer nichts
riskieren will, bleibt unbestimmt, versteckt sich. Eine Führungskraft
kann sich solch ein Verhalten nicht leisten. Trotzdem tauchen viele
Leiter ab, weil sie ihr Scheitern fürchten. Aber Scheitern
gehört zum Geschäft von Leitung dazu! Wer nicht bereit ist
zu versagen, ist immer in seinem Verhalten gelähmt und hat
keinen Mut zu unkonventionellen, klaren Schritten. Die wären
aber gerade in Zeiten einer Krise unbedingt nötig!
Wenn ein
Leiter das Risiko scheut, wird er keinen Einfluss auf das System, das
er vertritt ausüben, sondern vielmehr von ihm abhängig
werden. Er verzichtet auf seine Handlungsmöglichkeiten und wird
zunehmend zum ausführenden Organ einer allgemeinen Meinung,
statt zu führen. Er wird bemüht sein, es allen recht zu
machen oder zumindest wird er versuchen, einen Mittelweg zu gehen, um
nicht anzuecken. Dadurch verliert er jedoch an Schärfe, er ist
nicht mehr herausfordernd, prägend, er ist nicht mehr Kopf,
sondern Schwanz.
Wenn eine
Führungskraft in ihrer Aufgabe als bestimmende Kraft versagt,
liefert sie das System den eigendynamischen Kräften aus.
Zustände formieren sich, die letztlich weder zu kontrollieren
noch zu verantworten sind. Aggression, Egoismus, Mobbing und
Machkämpfe prägen dann das Verhalten aller. Letztlich
bekommt der Einzelne zu viel Raum, die Ansprüche des Individuums
werden wichtiger als das Gemeinwohl, das Chaos vergrößert
sich.
An dieser
Stelle wacht mancher Leiter auf und versucht, mit autoritärem
Verhalten die Lage in den Griff zu bekommen. Aber es ist oft zu spät!
Seine Chancen stehen schlecht, wenn er sich nur als der Starke
aufspielt, ohne es tatsächlich zu sein. Oder er stellt mit
Erschrecken seine Ohnmacht fest, reagiert anbiedernd, absichernd,
agiert aus dem Hintergrund und greift zu manipulativen Maßnahmen.
Dadurch begibt er sich noch mehr in Abhängigkeiten, die ihn zum
Spielball der Kräfte machen, die er nicht mehr beherrschen kann.
Das wird vor allem dann der Fall sein, wenn die Führungskraft
ihren Selbstwert aus ihrer Leitungsposition bezieht.
Was ist
nötig, um die Krise meistern zu können?
Leiter
brauchen in Situationen von Unsicherheit und in gesellschaftlichen
Umbrüchen eine starke Persönlichkeit, sie müssen
belastbar sein. Belastbar ist jemand aber nur, wenn er einen klaren,
eigenen Standpunkt hat und die Werte seines Lebens und seines
Handelns nicht aus sich selbst heraus nimmt, sondern sie von einer
höheren Instanz bekommt. Der Glaube an Gott als die höchste
Instanz des Lebens gibt ihm die Sicherheit, die er braucht, um in
chaotischen Zeiten fest zu stehen und den Bedürfnissen und
Angriffen von Menschen mit Freundlichkeit und in Gelassenheit zu
begegnen. Er weiß, was er wert ist, er muss sich nicht ständig
selbst beweisen, er schöpft in seinem geistlichen Leben aus der
Tiefe seiner Gottesbeziehung Annahme und Schutz.
Im Trubel
und Stress des Alltags braucht ein Leiter Ruhe und Zeit zur
Besinnung, damit er nicht im hektischen Getriebe seinen Standpunkt
verliert. Er benötigt Werte, die ihm den Maßstab zu
eindeutigen Bewertungen vermitteln. Eine solche unhinterfragbare
Größe ist zum Beispiel die Sonntagsheiligung: Ein Tag der
Besinnung und Einkehr in der Woche, der zudem seiner Erholung dient,
verhilft dem Leiter zum nötigen Überblick. Weitere absolute
Werte sind Transparenz und Ehrlichkeit sich selbst und anderen
gegenüber.
Dazu
helfen ihm Begleiter, die ihn hinterfragen dürfen, Mentoren und
Coaches, die dazu anleiten das eigene Verhalten zu reflektieren und
sich selbst auch in den problematischen Bereichen der eignen
Persönlichkeit kennen zu lernen. So kann er wahrhaftig sein und
bleibt sich selbst treu.
Leiter
brauchen Gemeinschaft, wo sie sich vertraulich öffnen können,
Supervisionsrunden mit anderen Leitern zum Erfahrungsaustausch, zum
gemeinsamen Gebet und gegenseitiger Unterstützung. Dadurch geht
er sich nicht selbst auf den Leim, sondern ist frei, unabhängig
zu entschieden und souverän zu agieren.
Führungskräfte
brauchten Ermutigung, damit sie dem permanenten Erwartungsdruck
standhalten und ihren Weg mutig und zuversichtlich gehen können,
ohne Angst vor dem Scheitern und ohne nach dem Strohhalm einer
autoritären Machtausübung zu greifen. Eine natürliche
Autorität bekommen sie dadurch, dass sie sich ihrer Berufung
gewiss sind und dem verantwortlich Rechenschaft geben, der sie
gerufen und in den Dienst der Leitung gestellt hat: Gott, der da ist
und der da war und der da kommt. In allen Identitätskrisen ist
und bleibt Er derselbe!
Johannes
Stockmayer
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Inhaltsverzeichnis:
Was geht ab? (Analyse der Situation)
Gemeindeberatung: Den Kurs bestimmen
Das Eingreifen Gottes
Wie können alle Dinge zum Besten dienen? (Römer
8,28)
Briefe an müde Gemeinden - 1. Brief
In schwierigen Situationen: Flüchten oder Standhalten?
Mimosenhaftes Verhalten in christlichen Gemeinden
Briefe an müde Gemeinden - 2. Brief
Müde Mitarbeiter oder neue Motivation
Wenn der Riese erwacht
Briefe an müde Gemeinden - 3. Brief
Konkrete Schritte planen
Der inszenierte Konflikt
Briefe an müde Gemeinden - 4. Brief
Was braucht der postmoderne Mensch?
n/a
Seine Feinde lieben ?
Die Zeichen der Zeit erkennen und verstehen
Der Gottesdienst und die Gemeinde
10 Schritte zur Veränderung
Zipfelfreundschaft und Nickfreundschaft
Gottesdienst der 3. Art
Mitarbeiter im Reich Gottes
Bericht vom 4. TrendForum
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Den gemeinsamen Auftrag entdecken
Der Mitarbeiter hat seine Schuldigkeit getan
Wer ist mein Nächster ?
Versöhnung
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Otto Stockmayer (Biografie)
Bericht vom 5. Trend-Forum
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Als dem Pfarrer die Weihnachtsfreude fehlte
Der Streit unter Christen
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Grund-Sätze der Gemeindeberatung
Bericht vom 6. Trend-Forum
Gemeinsames Leben in der Gemeinde - von der Regel des heiligen Benedikt lernen
Wahrheit und Ehrlichkeit in christlichen Gemeinden
Der lange Weg zur Ruhe
Die reiche Gemeinde
Bin ich berufen?
Wie das Schiff "Gemeinde" in Fahrt kommt
Gemeinde verstehen
Protokoll vom 7. Trend Forum
Gemeinde ist mehr: Gemeinde als Leib
Vollmächtige Leitung: von der Mitte her leiten
Gemeinde und ihre Leitung
Jeder Christ ein Mitarbeiter
In Krisenzeiten eine gemeinsame Vision gewinnen
Zukunftswerkstatt für Gemeinden
Selbstbewusstes Christsein
Wie die erste Gemeinde
Protokoll des 8. Trend-Forums
Baustelle Arche Noah
Endzeitstimmung
Wie kann eine Gemeinde ihren Auftrag entdecken?
Fruchtbare Spannung
Das Evangelium zu den Menschen bringen
Die neue Gemeinschaft
Nicht-von-der-Welt-Gemeinschaft
Mitarbeiter - das kostbarste Gut der Gemeinde
Seniorenarbeit
Die sieben Sendschreiben
Leiten in der Krise
Formen geistlichen Lebens
Impuls für Mitglieder in Leitungsgremien
So kann es nicht weitergehen
Der Trugschluss des Ahab
Gemeinde entsteht von innen
Als Gemeinde zu einer neuen Spiritualität finden
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